ADHS-ler sind wie Diamanten, man muss sie mit
Fassung tragen

Eine erfolgreiche Veranstaltung mit Arno Backhaus aus Kassel liegt
hinter uns. Der Einladung des Kinderfördervereins Meißen e.V. folgten
insgesamt 120 Gäste. Während der erste Teil vor allem durch Schüler des
Privaten Bildungszentrums Oschatz genutzt wurde, trafen sich am Abend
betroffenen Eltern und Pädagogen. Das sogar Kinder mit anwesend waren
und das diese so still sitzen konnten verblüffte so manchen. Unser Gast
kommentierte dies wie folgt: “Wenn das Thema interessant und
abwechslungsreich ist, dann ist auch ein ADHS-ler Abends noch hell wach
und aufmerksam.“ Ich bin froh ADHS-ler zu sein, dies war das Kredo
unseres Gastes. Besonders bei den anwesenden Eltern erregte diese
Äußerung zunächst Unverständnis. Doch sehr schnell gelang es Herrn
Backhaus darzustellen, welch kreatives Potential in unseren betroffenen
Kindern steckt, zeigte er, wie es gelingen kann, Hyperaktivität als
Ressource zu nutzen. Über diese Themen kamen wir in das Gespräch:
Was ist im Umgang mit dem betroffenen Personenkreis zu beachten?

1. ADHS-Menschen können um die Ecke sehen, sie merken sehr schnell, ob
ein Mensch authentisch ist. Tue also nichts mit ihnen, wenn du sie
nicht magst.
2. ADHS-Menschen brauchen absolute Ehrlichkeit sie wollen keinen
Perfektionismus.
3. ADHS-ler können mit Spontanität besser umgehen als andere.
4. Nutzung des „Sekundenfensters“ für Lob oder Tadel. Das
heißt in dem Moment wo etwas geschehen ist muss eine Reaktion
der Erzieher erfolgen.
5. Sie leiden über sich selbst, da häufig die Wertschätzung von außen
fehlt.
6. ADHS-ler haben gelernt, allein zu bestehen (Teamfähigkeit!)
Was ist in der (Familien) Erziehung wichtig?
1. Die unbedingte Transparenz der Erzieher und Eltern.
2. Die Rolle beider Elternteile, die Mutter vermittelt Geborgenheit.
Ich liebe dich so wie du bist. Der Vater sieht auf die Einhaltung
klarer Grenzen und schafft damit auch Sicherheit. Die fehlende
Vaterrolle in Scheidungsfamilien und der meist weibliche Anteil an
Pädagogen im Hort oder Kindergarten sieht er als besonders
problematisch. Dies erzeugt bei den betroffenen Kindern Unsicherheit
und Aggressivität.
3. Verletze nicht seine Seele, wenn dies geschehen ist, bitte um
Verzeihung. Nimm ihn in Schutz, er ist immer der Buhmann.
Was mögen ADHS-ler?

1. Körperkontakt - auch verstärkt
2. Den eigenen Körper spüren (Beispiel Fußwippen ist nicht Ausdruck von
Nervosität sondern eine Form der Körperwahrnehmung)
3.Sich austoben können (Ringkampf)
4.Extreme Gerüche und Geschmäcker
Was brauchen ADHS-ler?
1.Sicherheit und Geborgenheit (Baue ihnen ein Nest zum Kuscheln)
2. Abwechslung, ständig etwas Neues um dann zu bleiben
3. Spaß am Spiel nicht Spaß am Gewinnen
4. Feste Zeiten und Rituale
5. Nähe, Barmherzigkeit, Geduld (Nicht auf die große Lösung hoffen),
Liebe und Wertschätzung
Blitzlichter: (Meinungen und Reaktionen der Veranstaltungsteilnehmer)

Es war eine witzig, interessante Erfahrung und hat mir einen kleinen
Einblick in die ADS-Problematik gegeben. Es hat mir auch gezeigt, dass
es viel authentischer rüberkommt, wenn jemand nah am Thema ist. Herr
Backhaus hat mir noch mal vor Augen gehalten, dass nichts umsonst
passiert und dass man eine Problematik die Sonnenseiten leben kann. Es
war eine Bereicherung für mich.
Ich fand den Vortrag sehr informativ. Herr Backhaus konnte alles so gut
erklären, dass man es sich praktisch vorstellen kann. So brachte er
auch viele Erfahrungen aus seinem Leben und dem seiner Kinder ein.
Ich habe Dinge über ADHS erfahren, die ich so noch nicht wusste und
wenn man jemanden mit ADHS kennt, konnte man viele Tipps aus dem
Vortrag filtern. Eine empfehlenswerte Veranstaltung.
ADHS wurde so geschildert, wie es wirkliche Realität ist. Die vielen
Ideen für „andere Spiele“ waren schon mal etwas völlig anderes.
Die Vorlesung war sehr informativ. Auch Spaß kam nicht zu kurz und ich
konnte mir Wissen aneignen. Ich finde es toll, dass die Schule so etwas
organisiert und freue mich auf eine Fortsetzung.
Ich war von diesem Vortrag total begeistert. Herr Backhaus hat das
Thema super rüber gebracht und es war auch lustig. Er hat mich so
begeistert, dass ich gern mit ADHS-Kindern zusammen arbeiten würde. Ich
denke, dass die Arbeit mit diesen Kindern anstrengend ist. Aber durch
diesen Vortrag denke ich, dass man weiß worauf zu achten ist und worauf
man sich einlässt.
Die Abendveranstaltung, in der sich besonders betroffene Eltern
austauschen konnten fand ich ganz wichtig. Endlich kann man über seine
Befindlichkeiten sprechen. Sogar zwei betroffene Kinder waren anwesend
und stellten ihre Fragen. Den Austausch zu den anwesenden Erziehern
erlebte ich ebenfalls als nützlich. An dieser Stelle ein herzliches
Dankeschön an den Kinderförderverein Meißen der diese Veranstaltung
organisierte und finanzierte.
Vielleicht lässt sich in einer Folgeveranstaltung das Krankheitsbild
ADHS aus medizinischer Sicht noch etwas genauer beleuchten.
Sehr zu empfehlen: Arnos Spielebuch für das ganze Jahr
Mehr über unseren Gast erfahren Sie aus seiner
Website